Arbeitswelt 4.0 – Wenn logische Argumente nicht mehr ausreichen

Die Digitalisierung bietet uns eine Menge Möglichkeiten, zeitgleich hält uns etwas zurück den Wandel wirklich umzusetzen. Es sind Gefühle und Gedanken wie:

„Ach keine Zeit jetzt“
„Ist doch eigentlich ok so. Läuft doch“
„Was wenn das ein falsches Tool ist? Dann verliere ich Zeit“
„Was werden meine Kollegen und mein Chef denken, wenn es schiefgeht?“

Vergangene Woche war ich auf einer Veranstaltung in Berlin, auf dem diskutiert wurde, wie wir zukünftig arbeiten werden. Unter anderem ging es um die Implementierung von New Work Tools und Methoden für die Finanzbranche. Während unseres Workshops lernte ich eine junge Frau kennen, die seit sechs Monaten die Rolle der „Digitalisierungs-Expertin“ in ihrem Office innehat. Wir nennen sie Lena. Innerhalb des Workshops bekam Lena eine Aufgabe. Sie sollte in drei Minuten Zeit zwei Fragen beantwortet:

Was begeistert dich an deiner Arbeit? Was sind die größten Herausforderungen? Ich, als anderer Part dieser Zweier-Übung, sollte dabei drei Minuten achtsam zuhören, nicht dazwischen sprechen, nicht werten und dadurch Lena als erzählenden Part einen Raum geben.

„Meine größten Herausforderungen“, Lena seufzte und rieb sich die Stirn: „Weißt du, ich habe so viele Ideen, die unsere Abteilung nach vorne bringen könnten, doch habe ich das Gefühl keiner meiner Kollegen wünscht sich das auch. Keiner ist enthusiastisch darüber, neue Techniken wirklich anzuwenden. Das demotiviert und schüchtert mich ein. Eine Garantie, dass es funktioniert, kann ich nicht geben. Wenn wir nun auf meinen Wunsch hin das neue System einfügen und es am Ende mehr Zeit kostete statt Output bringt, dann bin ich die Schuldige. Dann habe ich am Ende vielleicht die ganze Arbeit und meine Kollegen hassen mich dafür. Ich frage mich ob sich dieser Aufwand und Stress lohnt?“

Lena fuhr weiter fort. Der Alarm klingelte, die drei Minuten achtsames Zuhören waren zu Ende. Lena war überrascht. Sie hatte keine Zeit mehr über die positiven Dinge zu sprechen. Die negativen Aspekte an ihrem Job waren zu präsent. Dies hat mich sehr beschäftigt, ist es doch ein Paradebeispiel, wie es in vielen Mitarbeiterköpfen zugeht.

Welches Mindset bedarf es um New Work - Themen wirklich in die Tat umzusetzen?

Viele vielversprechende Ideen werden nicht umgesetzt, weil der notwendige Glaube darin fehlt, dass es wirklich passiert. Hier ein paar Beispiele, die die Relevanz des Glaubens deutlich machen:

Wir WISSEN, dass der Klimawandel da ist. Wir GLAUBEN es aber noch nicht.
Wir WISSEN, dass die Digitalisierung uns Chancen bietet. Wir GLAUBEN es aber noch nicht.
Wir WISSEN, dass die Arbeitswelt sich ändert. Wir GLAUBEN es aber noch nicht.

Weil wir die negativen Auswirkungen noch nicht unaushaltbar ERFAHREN. Erfahren schafft Glauben. Solang der Glaube nicht vorhanden ist, führt es dazu, dass wir nicht in Aktion kommen. Wir machen lieber weiter wie bisher. „Haben wir ja schließlich immer so gemacht.“

Wie kommt es dazu? Hier bedarf es einen Blick in unsere tiefe Psychologie. In unser Unterbewusstsein. Der Teil unseres Daseins, welcher unbewusst abläuft. Der, der 95% unseres Handels, Fühlens und Denkens ausmacht, ohne, dass es uns bewusst ist: dem Autopiloten.

Zum Vergleich unser Bewusstsein (der Verstand) hat nur 5% Handlungsspielraum und diesen auch nur, wenn wir Energie dafür aufwenden. Man sieht, das Unterbewusstsein ist ein extrem mächtiger Apparat, der uns tagtäglich steuert, ohne dass wir es bewusst mitbekommen. Das Unterbewusstsein ist wie eine alte Festplatte, auf der alte Erinnerungen gespeichert sind. Darunter verbergen sich unterdrückte Bedürfnisse, blockierende Gefühle und alte Glaubenssätze.

90% unserer Glaubenssätze stammen aus unserer Kindheit

Wenn wir z.B. etwas erreichen wollen, aber es nicht umsetzen, weil uns „etwas“ (oft bezeichnet als der Innere Schweinehund) hindert, dann liegen hinter diesen Charaktereigenschaften meist alte Glaubenssätze. Glaubenssätze sind tiefe Überzeugungen, die jeder Mensch besitzt. Sie äußern sich subtil in der Art wie wir denken, fühlen und entsprechend auch handeln.

95% deiner Gedanken beeinflussen deine Gefühle

Der Strudel geht noch weiter. Unbewusste Glaubenssätze führen zu Gedanken und Ausreden im Kopf. Wir sind Meister im „Ausreden-finden“. Unsere Gedanken sind teilweise so dominant, dass wir glauben, wir seien die Gedanken. Wir identifizieren uns und handeln entsprechend. Oft ist in dem Falle von selbsterfüllender Prophezeiung die Rede. Das was du denkst, bist du. Für immer. Eine der wohl größten falschen Annahmen unsere Zeit.

Fakt ist: Solange wir uns mit der Stimme im Kopf identifizieren, bleiben wir die Marionette unserer Gedanken und Gefühle. Wir glauben den skeptischen, meist negativen Gedanken und lösen damit in uns Angst und Stress aus. Die Spirale nimmt ihren Lauf. An Selbstvertrauen, Neues zu lernen und zu implementieren ist gar nicht zu denken. Wir blockieren und sabotieren uns selbst.

Bilder und Gefühle sind die Sprache des Unterbewusstseins

Aber es gibt eine Lösung und für die kann man sich bewusst entscheiden: Wenn man sich seine unbewussten und negativen Glaubenssätze bewusstmacht, wirklich bewusst, dann ist der erste Schritt in ein befreites, sorgenfreies Leben getan.

Im zweiten Schritt geht es darum neues Glauben zu kreieren. Glaube lässt sich nicht durch rationale, logische Argumente formen. Glaube entsteht durch Erfahrungen (Bilder) und Gefühlen. Nur damit können wir alte Glaubenssätze und blockierende Gefühle lösen und Neue schaffen.

Ein weiterer essentieller Schritt: Identifiziere dich nicht mit der negativen Stimme in dir. Beobachte die Stimme mit Abstand und entscheide dann, ob du sie ernst nehmen möchtest.

Meditation, Achtsamkeit und Übungen aus der Selbsthypnose und Persönlichkeitsentwicklung sind wirkungsvolle Werkzeuge um das Mindset der Zukunft zu kreieren. Durch routiniertes Gehirntraining erhältst du wieder Zugang zu deinem Urvertrauen, deiner Intuition und deinem Körper. Betrachte diese als deinen inneren Kompass und als Navigatoren für dein Wachstum und Vorankommen. Veränderungen, ja auch die Positiven, passieren selten in der Komfortzone. Diese mithilfe von Mut und Vertrauen zu verlassen wird meist belohnt – auch wenn es mal „schief“ geht, man aber um eine Erfahrung reicher geworden ist.

Jutta Reinke

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