Studie: Digitalisierung & Gesundheit

Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf unsere Gesundheit? 

Zahlen & Lösungsansätze einer brandneuen Studie aus St.Gallen

Egal ob Hamburg oder Hawaii – Digitalisierung ermöglicht es uns, egal von welchem Ort der Welt, egal zu welcher Uhrzeit zu arbeiten. Dem steht das negativ Beispiel gegenüber, dass wir selbst im wohlverdienten Urlaub Arbeitsmails lesen (können). Digitalisierung führt zu einem andauernden Kommunikationsrauschen, zu einer hohen Informationsmenge, die uns unter Druck setzt.

Ist dieser massive Wandel nun ein Fluch oder Segen für unsere Gesundheit?

Sowohl als auch!

Dies berichtet die neuste Studie der University of St. Gallen. Letzte Woche war ich auf einer Veranstaltung der Barmer Krankenversicherung in Hamburg. Hier hat Prof. Dr. Stephan Böhm der University of St. Gallen seine brandneue Langzeitstudie zum Thema “Digital arbeiten und gesund leben“ vorgestellt. Insgesamt wurden über 8000 erwerbstätige Deutsche über zwei Jahre befragt und beobachtet.

Hier die ersten Studien-Ergebnisse:

Digitalisierung hält uns gesund:

  • Nach Einführung flexiblerer Arbeitszeitvereinbarungen ging die Anzahl der Krankheitsmeldungen um 14% zurück
  • Flexible Arbeitszeiten & -orte reduzieren Schlafprobleme um 30%

Digitalisierung KANN krankmachen:

  • Digitale Überbelastung erklärt 20% der emotionalen Erschöpfung (wie Burnout, Stress und Schlafstörungen)
  • 20% der jüngeren Beschäftigten (unter 40 Jahre) geben an, aufgrund von Technologie schneller arbeiten zu müssen
  • Grund für digitale Überbelastung ist die Informationsmenge (49,8%) // der Technologischer Anpassungsdruck (28,2%) // das ständige Kommunikationsrauschen (22%)
  • 28% der Beschäftigten, die digitale Informations- und Kommunikationstechnik zu Arbeitszwecken in ihrer Freizeit nutzen, berichten von Konflikten zwischen Arbeit und Privatleben

Was bedarf es dafür, dass –laut Studie- die Digitalisierung uns NICHT krankmacht?

Hier drei Ansätze:

  1. Emotionale Abgrenzung

Es bedarf die Möglichkeit sich emotional von der Arbeit abzugrenzen. Dies reduziert Konflikte zwischen Privat- und Arbeitsleben, was wiederum emotionale Erschöpfung reduziert.

  1. Stärkennutzung, Fairness und Gleichbehandlung

Mitarbeiter, die das Gefühl haben in einer Organisation zu arbeiten, die ihnen die Möglichkeit bietet, das zu tun, worin sie gut sind, die eine hohe Selbstwirksamkeit empfinden, fühlen sich im Schnitt vier Jahre jünger. Faire HR-Praktiken und Partizipationsmöglichkeiten reduzieren den Effekt von digitaler Überlastung auf die Arbeits- und Lebenszufriedenheit. Klingt logisch! Wenn man seinen Job liebt, tut es nicht weh. Und wenn man würdig entlohnt und gelobt wird, umso besser!

  1. Spielfeld mit Spielregeln

Mitarbeiter und Führungskräfte benötigen klar kommunizierte Spielregeln.

Wie viel Pausenzeit wird toleriert?

Wann kann ich mein Handy ausstellen?

Was wird von mir erwarte?

Gesunde Flexibilität benötigt einen Rahmen.

Herr Prof. Dr. Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer Versicherung, hat seine Meinung dazu schön ausgedrückt indem er (so oder so Ähnlich) sagte:

„Ich bin für Regeln. Dabei spreche ich nicht von Regeln die die Mitarbeiter einschränken, sondern –im Gegenteil- die JEDEN Mitarbeiter schützt. Vor dem eigenen Kritiker aber auch vor den Meinungen der Kollegen. Ohne Regeln verlieren die Schwachen und gewinnen die Selbst-Optimierer. Wir brauchen Regeln sodass sich jeder in seinem Tempo entfalten kann.“

Ich sehe das genauso.

Wenn keine feste Spielregeln festgelegt werden, macht jeder seine eigene Suppe. Das führt zu Missverständnissen, Fehlinterpretationen, Enttäuschungen, Neid oder zu einem schlechten Gewissen.

Ich möchte über die oben genannten Ansätze noch eine weitere Bedingung hinzufügen. Ich nenne es:

  1. Mehr Bewusstsein

Bewusstsein für sich selbst:

  • Brauche ich eine Pause?
  • Kann ich noch sitzen oder schreit mein Körper nach Bewegung und Natur?
  • Warum habe ich gerade das Gefühl von Stress?
  • Wovor habe ich wirklich Angst?
  • Was brauche ich wirklich?
  • ...

Bewusstsein für seine Kollegen:

  • Wie viel Aufmerksamkeit kann ich von meinem Kollegen erwarten?
  • Was fühlt/tickt er/sie?
  • Wie kann ich unterstützen?
  • Was denken die Anderen von mir WIRKLICH? (nicht glauben, sondern WISSEN ;-))
  • ...

Meditation, Achtsamkeit und innere Transformationsarbeit sind wirksame Techniken um die eigenen (wirklichen) Bedürfnisse und die der Kollegen zu verstehen. Auch unterstützen sie uns mit der Informationsflut gelassener und effektiver umzugehen. Und sie bauen unser Selbstwertgefühl auf um dann im zweiten Schritt mutig sagen zu können:

„JA, ich brauche eine Pause! Vielleicht mehr als du. Dafür kann ich meine Aufgabe später schneller erledigen“

Jutta Reinke

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